Erlebnispädagogik

Viele Kinder und Jugendliche in unserer hoch technisierten Gesellschaft erleben Abenteuer nur am Computer oder am Fernseher. Schon von daher gesehen bietet die Erlebnispädagogik besonders wertvolle Erfahrungen um soziale Fähigkeiten und die Persönlichkeit zu fördern und zu entwickeln. Junge Menschen brauchen Abenteuer, allerdings bietet die alltägliche Umwelt immer weniger Möglichkeiten. Die Erlebnispädagogik bietet eine Gruppen-Erfahrungen in Natursportarten wie Reiten, Segeln, Sportklettern, Kajakfahren wie Wandern, Zelten, Pfadfinden in Wald und Gebirge.

Das Erleben als ein wichtiger Aspekt der Pädagogik ist bereits von Jean Jacques Rousseau (1712 – 1778) im 18. Jahrhundert gefordert worden. Rousseau – dem auch das Wort „Zurück zur Natur“ zugeordnet werden – wird als wichtiger Vertreter des besonders handlungsorientierten Lernen gesehen. Dabei sind Erlebnis und Unmittelbarkeit die elementaren Säulen des Erziehungsmodells von Rousseau. So schuf er bereits im 18. Jahrhundert die Basis für das Gedankenmodell der Erlebnispädagogik.

Etwa einhundert Jahre nach Rousseau wurde dieser Ansatz von Henry David Thoreau (1817 – 1862). Ein wesentliches Ziel Thoreaus ist das direkte und ursprüngliche Leben. Unmittelbarkeit des Erlebens stand dabei im Mittelpunkt. Thoreau  kritisiert bereits damals den Luxus, die Mode, die Bequemlichkeit, die Technik, ja die gesamte Zivilisation als Ursachen des Verlusts der Unmittelbarkeit. Thoreau erprobte seine Forderungen auch selbst: Er lebte einige Jahre in einer selbst gebauten Blockhütte an einem See. Thoreaus Ziel war es dabei, durch dieses karge und bedürfnislose Leben zu dem wirklich Wesentlichen des Lebens vorzustoßen.

Wichtiger Entwicklungspunkt der Erlebnispädagogik waren die von Robert Baden Powell 1907 gegründeten Pfadfindergruppen. Mit der von ihm entwickelten Pfadfindermethode zählt Powell zu den geistigen Vätern der Erlebnispädagogik. In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren das Konzept des Erlebens besonders in den pädagogischen Werken von Maria Montessori und Ellen Key vertreten.
Der wohl wichtigste Begriff  dieser erlebnispädagogischen Ansätze ist das Erlebnis. Als Erlebnis werden Bewusstseinsvorgänge, in denen der Mensch tief innerlich und ganzheitlich von der Wert- und Sinnfülle eines Gegenstandes betroffen ist. Erlebnisse sind von Ereignissen klar zu unterscheiden: einzelne Situationen werden zu Erlebnissen, wenn sie vom Betrachter als etwas Nicht-Alltägliches und Besonderes wahrgenommen werden. Dabei berücksichtigt die Erlebnispädagogik die soziologische, pädagogische und soziologische Dimensionen des Erlebnisses.

Die Erlebnispädagogik ist heute wesentliches Element ganzheitlicher Bildungs- und Erziehungskonzepte.